Kulturmultimedial

Anspruch trotz populärer Mechanismen?

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Anspruch trotz populärer Mechanismen?

Julian Kämper – ein Essay

 

Erlebnisgesellschaft. Eventkultur. Sensationsgeilheit. – diese Schlagwörter sollen spätestens seit Gerhard Schulze den Zustand der heutigen Kulturrezeption der Gesellschaft beschreiben. Der Kulturkonsument nähert sich immer unselbstständiger der Kultur. Vielmehr verweilt er in einer Erwartungshaltung, dass sich die Kultur doch bitte mit lockenden Angeboten ihm nähern solle. Und wenn diese gewünschten Angebote sensationell, attraktiv und unterhaltsam sein sollen, dann sind sie in aller Regel auch werbewirksam und magnetisch. Die Diskrepanz zwischen Kunst und Kommerz wird kleiner, und dann setzt schnell die von Holger Noltze beschworene „Leichtigkeitslüge“ ein: Kunst wird auf einfache Prinzipien herunter gebrochen, verliert ihre Komplexität, um dann in der Popkultur vermarktet und verkauft zu werden. Wird Kultur dadurch massentauglich, wird sie von Kunstliebhabern automatisch mit der negativ belasteten Wertung „Pop“ herabgestuft.

Doch ist es möglich, den kulturellen Anspruch trotz Publizität aufrecht zu erhalten? Einen solchen Versuch macht das John-Cage-Projekt in Halberstadt seit dem Jahr 2001: In der historischen Burchardikirche, in der 1361 die erste Orgel Deutschlands beim Gottesdienst Verwendung fand, wird seit 2001 John Cages Komposition für Orgel ORGAN²/ASLSP (1986) aufgeführt. Gemäß der Werkbezeichnung as slow as possible sprengt das Projekt mit der Dauer von 639 Jahren (vom Jahr 2000 bis 1361 zurückgerechnet) den gewöhnlichen konzertanten Rahmen. Dabei wurde die konkrete Dauer der einzelnen Notenwerte errechnet, die zwischen einem Monat und 58 Jahren liegen kann, und ununterbrochen tönt. Dafür wird die Orgel automatisch betrieben. Die Klangwechsel werden im Rahmen von Veranstaltungen feierlich vollzogen. Somit gleicht die Kirche, die für Gottesdienste nicht mehr genutzt wird, eher einem öffentlichen begehbaren Klangraum oder einem Museum.

Ein künstlerischer Anspruch ist den Leitern des Projekts definitiv nicht abzusprechen. Denn John Cage, 1912 in Los Angeles geboren und Zeit seines Lebens bis zu seinem Tod 1992 in New York tätig, hat nicht nur die Berechtigung, neben Bach, Beethoven und Wagner rezipiert zu werden, sondern muss unweigerlich in die europäische Kulturgeschichte eingehen. Mit seinen Kompositionen brachte Cage im 20. Jahrhundert Alternativen zur abendländischen Musiktradition und verbreitete mit Pionieren der elektronischen Musik wie Karl-Heinz Stockhausen ein ganz neues Verständnis von Musik, dessen neue Möglichkeiten alle nachfolgenden Kreativen – bildende Künstler ebenso wie Musiker – beeinflussten. So auch die Popmusik. Seine aleatorischen Werke folgen dem Prinzip des Zufalls. So schafft er einen musikalischen Rahmen, innerhalb dessen sich der Interpret frei bewegen kann. Dabei gibt es kein richtig und falsch. ORGAN²/ASLSP lässt die Wahl des Tempos dem Interpreten überlassen, was in Halberstadt natürlich bis ins Extrem ausgekostet wird. Doch wenn einer fragen möchte, ob das in Halberstadt wirklich Musik sei, so würde Cage wohl antworten: Ja, alles ist Musik. Jeder Klang. Jede Aktion.

Den Sinn und den musikalischen Zeitgeist der Avantgardisten nach dem Zweiten Weltkrieg trifft die Interpretation in Halberstadt also auf den Punkt. Bei den Klangwechselfesten beschäftigen sich Veranstalter und Gäste ausführlich mit Vorträgen und Diskussionen zu Cage, oftmals mit prominenten Gästen, denen irgendeine Verbindung zu Cage nachzuweisen ist. Zuletzt haben sich Studenten der Musikhochschule Bremen und dem Orgelprofessor Hans Ola-Ericcson engagiert und beim Klangwechsel Anfang Februar ein Konzert mit Orgelwerken gegeben. Das Leben, das Werk und insbesondere die neuartige Kunstauffassung des Komponisten werden in Halberstadt auf einer kleinen Plattform liebevoll und ernsthaft zu vermitteln versucht – das sollte man anerkennen.

Doch gerade die geladene Prominenz, darunter Laura Kuhn, Dieter Schnebel sowie Politiker, liefert Fläche für Angriffe seitens Vertretern der Hochkultur. Prominente ziehen das Medieninteresse auf die Veranstaltung und machen sie berichtenswert. Allerdings unterstützen sie das Projekt mit fachlichen Kompetenzen, nicht nur oberflächlich wie die gut aussehende D-Prominenz bei Charity-Galas. Auch hinter der eben noch als künstlerische Freiheit gedeuteten Extremlänge der Aufführung bis ins Jahr 2640 versteckt sich womöglich der Gedanke, einen Guinnesbuch-Eintrag, oder zumindest öffentliche Präsenz zu erhaschen. Das Projekt ist zweifelsfrei eines der neuen Aushängeschilder der vierzigtausend Einwohner fassenden Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. Denn googelt man „Halberstadt“, so erscheint der Internetauftritt des Cage-Projekts noch vor dem Wikipedia-Eintrag. Nicht nur lokale Zeitungen, auch Fernsehen und Internet liefern Dokumentationen, Videos und Berichte über die Sensation des Projekts; das beweisen die Pressestimmen auf der Homepage.

Es ist also nicht zu leugnen, dass Halberstadt mit dieser Aktion die Sensationsgeilheit bedient und im öffentlichen Interesse steht. Doch muss Öffentlichkeitswirksamkeit im Kulturbetrieb nicht immer negativ konnotiert sein. Denn der noch so ernst genommene Vermittlungsauftrag kultureller Institutionen oder – wie in diesem Fall – einer Gruppe von Liebhabern zeigt keine Wirkung ohne eine Masse, die damit erreicht wird. Das gilt für das Louvre genauso wie für das Kleinstadttheater. So gesehen trägt das längste Orgelkonzert der Welt dazu bei, dass durch die bloße Berichterstattung ein Publikum mit John Cage konfrontiert wird, das vielleicht noch nie den Weg in den Konzertsaal gefunden hat. Zudem soll, so die verkündete Idee der Veranstalter, vermittelt werden, die unbegreifliche Länge und Ruhe des Stücks als Gegenpol zur Schnelllebigkeit und täglichen Informationsflut unserer Medienwelt zu begreifen.

Dass nicht-alltägliche Ereignisse in der Öffentlichkeit von den Medien präsentiert und durchgekaut werden, ist heute selbstverständlich. Das ist das Prinzip der Berichterstattung. Doch es wäre nur fair, die Sensationsgier und die Mechanismen der oftmals seichten Medienkultur von der Leistung der kulturellen Institutionen samt ihrem Vermittlungsauftrag zu trennen. Nicht alles, was massentauglich und medienwirksam ist, muss zwangsweise trivial sein.
Kunst oder Kommerz? Wie beim Ei ist hier die Frage, was zuerst da war: Der kulturelle Anspruch, oder die Gier nach Öffentlichkeit? In Halberstadt sicherlich ersteres!

 

 

Geschrieben von kulturmultimedial

März 15, 2011 um 10:08 vormittags

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Poetry-Slam

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Poetry-Slam

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Da musst du aber früh da sein!“ Dass das KFZ in Marburg immer überrannt ist, wenn dort ein Poetry Slam stattfindet, ist in Studentenkreisen bekannt. Doch was macht diesen Zauber aus? – gilt das Gebot des Früh-Erscheinens doch nicht für ähnliche Veranstaltungen wie Autorenlesungen. Und bei denen weiß man wenigstens, was zu erwarten ist – ganz im Gegensatz zu besagtem Slam, bei dem bestenfalls die teilnehmenden denkenden Dichter bekannt sind; was sie jedoch vorzutragen gedenken, ist erstens ganz ihnen überlassen und erstreckt sich zweitens über ein Spektrum literarischer Formen, das wohl nur mit diesem Sammelbergriff einzugrenzen ist. Jeder weitere Versuch ist zum Scheitern verurteilt. Dabei trifft es „Literatur“ auch nicht ganz. Sie ist zwar wichtiger Bestandteil, jedoch keineswegs alles, worauf es ankommt. Man bewegt sich irgendwo im Feld zwischen Goethe und Rap. Letztlich ist es aber die Performance, die von der Jury, in der Regel der Gesamtheit des Publikums, bewertet wird. Ist es also Theater? Sind es Schauspieler, die selbstverfasste Texte zum Besten geben? Auch damit möchte man sich nicht zufrieden geben, denn der, den man da sieht, ist doch der, der er ist, möchte man meinen. Und bei dieser Ansicht möchte man gerne auch bleiben, dass sich da bitte nicht jemand verstellt, im wirklichen Leben ein ganz anderer ist, möglicherweise gar nicht so verträumt-romantisch, gar nicht so kritisch-aufgebracht, gar nicht so wunderbar der pragmatischen Weltsicht entrückt. Man könnte sie ja fragen, die Wortakrobaten, was sie so im Alltag tun. Man könnte sie kennenlernen. Man könnte zu hören bekommen: „Lehramt. Mathe und Religion. Muss morgen wieder früh raus. Hätte eigentlich gar nicht hier sein dürfen. Meine Freundin ist sauer, weil ich wieder so spät nach Hause komme. Ich komm grad von McDonald’s. Jobbe dort.“ Natürlich. Ein Mensch wie du und ich. Das ist klar. Aber es ist nicht das, was das Bewusstsein beherrscht, während man an den Lippen eines dieser Polyglotte der Sprachstile hängt und wartet auf den Moment des kollektiven Schauderns, Lachens  Atem-Anhaltens… Doch auf das Risiko hin, diesen Moment nun doch nicht zu erleben, würden kaum die Scharen zu dieser Veranstaltung drängen, die es nun einmal sind. Was also ist es dann? Das Ambiente, der Raum, die Menschen… Die Menschen. Zusammen bilden sie eine Szene, die ebenso offen scheint, wie sie sich verschließt. Offen sind sie. Sie sprechen mit, aber vor allem zu uns. Sie sind auf Interaktion angewiesen – schließlich sind wir, das Publikum, diejenigen, die ihre Leistung zu beurteilen haben. Und doch bewahren sich die Slammer ihre geheimnisvolle Seite, bewusst oder unbewusst. Genau genommen haben sie keinen Einfluss darauf – ich bin es, die sich die Illusion von den weltentrückten Genies bewahren möchte, diejenige, die nicht Fragen wird: „Und, wo kommst du ursprünglich her?“ Die Szene darf ihren Zauber behalten. Vielleicht ist er ihr von mir aufgezwungen worden, wahrscheinlich handelt es sich um eine Bewusstseinstäuschung. So sei es dann.

Dabei wird mir die Entzauberung doch sehr leicht gemacht. Heute kann sich jedermann schnell als Zugehöriger einer Szene fühlen. Hingehen, die Menschen kennenlernen, die Profile bei Facebook finden und „liken“ – das ist alles kein Problem, wie den meisten anderen Gemeinschaften kann man sich auch der Poetry-Slam-Fangemeinde innerhalb unserer allzeit online vernetzten Generation leicht anschließen. Und doch ist es eine neue Welt, die der Mensch auf der Bühne da zu schaffen vermag. Das gelingt sonst nur im Theater. Doch der feine Unterschied wurde bereits erörtert.

Doch wie weit ich mich auch von den Poeten aus meiner Alltagswirklichkeit und –wahrnehmung herausreißen lasse, sie arbeiten dicht an der Realität. Was sie ins Auge fassen, ist oftmals ein Lebensgefühl oder eine Weltsicht, eine allgemeine Problematik, die auf den Punkt gebracht wird. Aber tun das andere nicht auch? Pop- und Rocksongs, Comedians, Romane… Moderne Poesie besticht durch ihre Klarheit: Sie lässt sich nicht von Musik zurückdrängen, stellt nicht das Warten auf Witze ins Zentrum der Aufmerksamkeit und verzichtet auf unnötige längen. Letzteres ist vor allem der Regel einer etwa fünfminütigen zeitlichen Begrenzung geschuldet, die bei den meisten Slams gilt. Die Texte, die bei Poetry Slams dargeboten werden, bilden wohl zudem das beste Abbild der Gesellschaft. Es muss der Nerv der Zeit getroffen werden – auf den Abend genau – will man einen Slam gewinnen. Was der Nerv der Zeit ist, zeigt sich wohl sonst kaum so greifbar und deutlich und erfährt so schnell seine Bestätigung oder Ablehnung wie hier. Was sich so durchsetzt oder in der Szene bestehen kann, hat also in jedem Fall das Publikum überzeugende Qualitäten.

Die Frage, die sich uns also aufdrängt, ist: Was ist Poetry? Kein Schauspiel, kein Theater, Performance literarischer Art, aber doch mehr als Literatur? Darf auch musikalisch ausfallen, gerappt sein, aber die Bedeutung des Wortes nicht untergraben. Aber darf gleichzeitig auch dadaistisch sein. Wo bleibt da das Wort? Es ist vielleicht am besten mit den Worten des Wiener Poeten Markus Köhle gesagt:

PO E SIE – Poetry
Poetry is word anarchy
Poetry is individualism pure
Poesie ist eine Uhr, die nach den jeweils eigenen Regeln tickt
Poesie ist nicht bestechlich, ist nicht ich, ich, ich, ich,
in Rein- und Reimkultur
Poesie ist kein Ego-Trip, kein Seelen-Strip und auch kein Hirnfick
Poesie ist keine Ich-AG, kein Pausenschmäh
Und auch kein Dauer Yippie Yuppie Ei Yeah!
Poesie ist kein Oberflächenphänomen, Poesie wirkt subkutan
Poesie kann sowohl ein Schlag in die Magengrube sein als auch ein Stich ins Herz
Ein Ich ins Herz, in deins
Poesie kann treffen, helfen, nerven
Poesie kann tief gehen, abheben, loslösen,
Poesie kann oooh so so so schöööön sein und
Mmhh gu-gu-guuuuttun


Artikel von: Barbara Szuta

Geschrieben von kulturmultimedial

März 12, 2011 um 3:27 nachmittags

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Die neue Gaganess

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Die neue Gaganess

Die Lady hinter einer Maske. Wer aber versteckt sich hinter Gaga?

Die einen lieben sie. Die anderen lieben sie weniger, könnte man meinen. Ihr Plan, der größte Superstar der Welt zu werden, ging auf: In wenigen Jahren verwandelte sich das New Yorker Mädchen Stefanie Joanne Angelina Germanotta in die Kunstfigur Lady Gaga. Mit 24 Jahren, 4-fach Platin und über  64 Millionen verkauften Platten scheint sie seit Beginn ihrer knapp einjährigen Karriere, schon so viel für ihre Unsterblichkeit getan zu haben wie Madonna in 30 Jahren. Während sie ihr einstiges Vorbild als Pop-und Stilikone der Gegenwart ablöst, setzt sie gleichzeitig neue Maßstäbe. Einer dieser Maßstäbe ist die Tatsache, dass sie mit 25 Millionen Facebook –Freunden sogar den amerikanischen Präsidenten, mit 17 Millionen, weit hinter sich lässt. Folgender Fakt zeugt jedoch noch mehr von nicht nur medialer Präsenz: 2009, als sie in Amerika noch unter „aufstrebend“ zu verbuchen war, outete sich Obama höchstpersönlich als Fan. Auf einem Event kündigt er sie mit folgenden Worten an:  „Es ist eine Ehre heute Abend hier zu sein, um Lady Gaga anzukündigen. Ich habe es geschafft!“

„The rise and rise of Lady Gaga“

Eine New Yorker Musikkritikerin bezeichnete ihre Karriere unlängst mit den knappen Worten „The rise and rise of Lady Gaga“. Von Fall und Untergang ist nirgends die Rede, nicht mal in sonst noch so sensationsgeilen Boulevardblättern. Aber: kann sie denn überhaupt unter-gehen, wieder in dem scheinbaren Nichts verschwinden, aus dem sie gekommen ist, wie all die anderen Pop-Phänomene vor ihr? Aktuell scheint dies unmöglich. Für viele impliziert der Name Lady Gaga nämlich automatisch den Begriff des „Phänomens“. Bei dieser Bezeichnung ist allerdings Vorsicht geboten, denn so wurden bisher Stars wie Britney Spears oder Christina Aguilera bezeichnet, die zwar allesamt Aussnahmeerscheinungen waren, aber nur während ein paar wenigen Jahren ihrer Schaffensphase wirklich „on top“, also phänomenal waren. Dabei stand ihr Erfolg keineswegs immer in einem gerechtfertigten Verhältnis zu ihrer tatsächlichen künstlerischen Leistung. Bei Lady Gaga allerdings hebt sich der Euphemismus des Pop-Phänomens auf, denn mit ihrer Art und Geschwindigkeit ist ihr die Erfindung einer Kunstfigur in einer Zeit gelungen, in welcher davon geredet wird, dass es keine „richtigen Stars“ mehr gibt. Sie führt einem das vor Augen, was man eigentlich schon längst weiß, aber vehement ignoriert: Seit Jahren schon verfällt die Glanz und Glamour Welt Amerikas Starindustrie: Die immer gleichen talentlosen Blondinen, kaputten Entzugsklinik-Patienten, teilnahmslosen und weltfremden Castingstars, sich des-eigenen-Alters-verweigernde Frauen, die nicht rechtzeitig den Ausstieg aus dem Business gefunden haben und schließlich die monatlich wechselnden und nischenverhafteten Teenagerphänomene von Disney und Co. So setzt sie perfekt um, was das Publikum heute unwissend von einem Star erwartet: Eine ständige und authentische Neuerfindung des eigenen Ichs, angepasst an den rasanten kulturellen und technischen Wandel unseres 2.0- Zeitalters. Stillstand käme einem Untergang gleich. Altbekannte provokante Inszenierungen neu erfinden und an das digitale Zeitalter anpassen. Immer aufregend bleiben, hart für die perfekte Inszenierung arbeiten und das Starsein als Kunstgattung begreifen. Genau dieses Verständnis macht sie zum einzig echten Superstar der 10er Jahre und so tut sie auch nicht unrecht daran, schon gleich ihr erstes und bisher einziges Album schlicht, aber aussagekräftig „The Fame“ zu betiteln. Dazu beweisen eine Milliarde YouTube-Klicks und Facebook, dass kaum einer die Macht des viralen Marketings im Musikgeschäft so gekonnt einsetzt wie sie.

„Das Starsein als Kunstgattung begreifen“

Um bei ihrer ständigen Präsenz im Netz aber der Entzauberung durch eben YouTube, Twitter oder Wikipedia zu entgehen, steht sie in permanentem Dialog mit ihren Fans und nährt deren Hunger nach einem Stück Gaga täglich mit bizarren Neuigkeiten aus ihrem Leben. Diese Schlagzeilen und Gerüchte, für die sie und ihre Entourage, das sogenannte „House of Gaga“ sorgen, befriedigen nicht nur ihre Fans, die sie liebevoll „meine kleinen Monster“ nennt, sondern nähren auch ihren eigenen permanenten Hunger nach Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu anderen Stars hat sie nämlich kein Interesse an deren Richtigstellung, da alle Unwahrheiten und Wahrheiten der Festigung ihres undurchschaubaren Mythos dienen. Sie nimmt sich heraus, was andere nicht mal zu denken wagen, ganz dem Motto ihres mentalen Mentors Warhols getreu: „Künstler haben Rechte“. Anders ausgedrückt: Sie nimmt für sich in Anspruch, immer eine Spur mehr zu provozieren als ihre unzähligen Konkurrentinnen.

Keiner polarisiert derzeit mehr als sie

Kann man ihr deswegen aber den Rang einer Revoluzzerin einräumen? Oder befriedigt sie nur harmlos die Fantasien und unstillbaren Sehnsüchte der Leute, die mit ihr, als unnahbarer Ikone, kurzzeitig aus ihrem sonst tristen Alltag in eine andere Welt ausreißen können? Noch vor drei Jahren, als von Ruhm noch lange nicht die Rede war und sie von einem Plattenlabel zum nächsten tingelte, kündigte sie Zweiflern an: „Eines Tages werdet ihr euch nicht mehr mal eine Tasse Kaffee holen können, ohne mich zu hören oder zu sehen“. Wer so überzeugt von sich selbst ist, muss nicht nur zu produzieren, zu präsentieren und zu provozieren wissen, sondern die Verschmelzung von Pop, Porno, Inszenierung, Imitation, Überzeichnung, Übertreibung, aber vor allem auch wahrem Können perfekt beherrschen. Lady Gaga lebt und revolutioniert diese Prinzipien nicht nur, sondern sie gibt der Welt das Gefühl, als habe sie sie auch erfunden. Mit dieser Gewissheit im Rücken  ist sie auf dem Weg, eine der größten Performerinnen aller Zeiten zu werden. Ihre Mystik gründet dabei nicht nur auf wahrgewordenen Vorhersagen oder ihrer unausweichlichen Aura. Sie gründet vielmehr auf ihrem Selbstverständnis, also dem der Figur Gaga.

Die spitze Korsage kennt man schon von Madonna- allerdings ohne Feuerwerk

Manche mögen ihr einen Mangel an Authentizität vorwerfen, da sie sich von so vielen Künstlern und Ikonen inspirieren lässt, aber komplett ausführen kann man diese Kritik eben nicht, denn der noch amtierenden „Queen of Pop“ Madonna hat sie einige Dinge voraus: Neben einer wirklich guten Stimme und selbst geschriebenen Songs auch die im Showbusiness überlebensnotwendige Selbstironie. Von Michael Jackson holte sie

sich ihre Unnahbarkeit und von David Bowie und Prince die Exzentrik. Sie erinnert an andere Superstars, gleichzeitig aber auch an keinen, denn durch pure Imitation wäre sie zu keinem globalen Wahrzeichen ihrer selbst geworden. Des Weiteren wäre bloße Imitation wohl zu wenig für sie, sie überzeichnet und übertreibt lieber um als Gaga überleben zu können. Nun ist sie die Inspiration, das Blatt hat sich gewendet.

Doch wer oder was ist sie? Eine narzisstische Musikerin? Künstlerin oder gar Performancekünstlerin? Schlussendlich eine reine Kunstfigur? Eben ein Phänomen in weiterem Sinne? Ein weiteres Mainstreamprodukt, angepasst an die Bedürfnisse einer netzwerkenden, iPhone-abhängigen, digitalisierten Kultur?

„Ich bin meine Musik, meine Kunst und meine Kreativität.“

Fragt man sie selbst nach ihrer Identität, so antwortet sie „Ich bin meine Musik, meine Kunst und meine Kreativität. Wer fragt, wer hinter Lady Gaga steckt, dem sage ich: Lady Gaga. Wer mich noch Stefani nennt, hat nichts verstanden.“ Das Mädchen Stefanie scheint inzwischen zu einem Medium verkommen zu sein, über welches die Übergestalt Gaga kommuniziert und inszeniert. Um ihr das zu ermöglichen, lebt Stefani ein kompromissloses Leben, welches die Trennung zwischen Leben und Bühne fast komplett aufhebt, wie sie selbst sagt: „Mein ganzes Leben ist ein Auftritt.“ Mit diesem Denken hat sie sich selbst zu einer Maschine gemacht, nur mit dem Unterschied, dass sie lebt und selbstständig denkt. Allerdings war sie nicht von Anfang an das Produkt einer durchkalkulierten Starindustrie, denn auch wenn sie wie von einem anderen Planeten scheint, so kommt sie nicht aus dem Nichts, wie gerne behauptet wird, sondern zwang sich ihren heutigen Produzenten regelrecht auf. Wurde sie von einem abgestoßen, wurde sie nur noch ehrgeiziger und noch hartnäckiger. Wer einen Blick in ihre inzwischen unzähligen, aber fremdgeschriebenen, Biografien geworfen hat, weiß, wovon hier die Rede ist. Mitarbeiter und Familienmitglieder, denen ein beneidenswerter Blick hinter die Kulisse erlaubt ist, behaupten, in ihrem Herzen sei sie immer noch diese junge Kunstschulabsolventin aus gutem Hause, voller Optimismus und Liebenswürdigkeit. Beobachtet man sie bei der Entgegennahme eines Preises wie sie nach Luft schnappt und ihren Mund vor lauter kindlichem Staunen kaum noch zu bekommt, so möchte man dem schon fast Glauben schenken. Sie scheint  mit beiden Beinen fest auf dem Boden geblieben zu sein und weiß  ihren hart erarbeiteten und lang ersehnten Erfolg zu schätzen. Der Wandel vom privilegiertem Upper West Side katholischen Schulmädchen zum avant-garde Freak ohne Allüren ist ihr also gelungen.

Auch wenn sich ihre Musik inzwischen millionenmal verkauft, so ist diese nicht allein für ihren Erfolg verantwortlich. War man zunächst mehr an ihren Songwriterfähigkeiten und Musik interessiert als an ihrer Persönlichkeit, so hat sich dies heute grundlegend geändert; ihre weniger tiefsinnig als eingängige Musik scheint bei dem ganzen Gaga-Zirkus nur noch zu einer Art störendem Hintergrundgeräusch verkommen zu sein. Zusammen mit ihren architektonischen anmutenden Outfits wird sie somit zum Accessoire einer totalen Inszenierung und absoluten Präsenz. Das ursprünglich primäre Interesse an ihrer Musik mag daran gelegen haben, dass ihr schon gleich zu Beginn ihrer ersten Bühnenversuche deutlich ins Gesicht gesagt wurde, dass sie nicht dem gängigen Ideal einer Pop-Prinzessin entspreche. Wer ihren echten Namen bei YouTube eingibt, entdeckt, trotz eigentlich kaum digitaler Fußabdrücke, tatsächlich das Video einer etwas pummeligen Brünette, die eine beachtliche Gesangsleistung am Piano hinlegt. „Pummelige Brünette“ war aber nicht genug fürs Showbusiness. Sie müsse abnehmen, ihren Stil verändern und noch weiter an ihrer Stimme arbeiten. Gesagt, getan, Erfolg gehabt. Heute benutzt sie ihr durchschnittliches Aussehen als Leinwand, auf welcher sie gekonnt mit der Tatsache spielt, äußerlich nicht in die Klischeeschublade des idealen Popstars zu passen. Nachdem sie sich zunächst dem Mainstream anpassen musste, kann sie es sich nun schon nach kurzer Zeit leisten, auszubrechen um neue Leitlinien zu setzen. Sie wächst nicht mit der Zeit, sondern sie mutiert.

Aber, was will sie eigentlich? Sie will die Welt erobern, sich unsterblich machen, verrückt sein, Kunst machen, ihre eigenen Performances übertreffen, alles menschenunmögliche möglich machen. Etwas Museumsreifes schaffen. Die Welt regieren.

„Regiert die Welt!“

„Regiert die Welt! Was ist das Leben wert, wenn du sie nicht regierst?“  So eine Aufforderung kann sich wohl nur jemand leisten, der dieses Selbstverständnis auch vertritt und bis in die kleinste Faser seines Körpers auslebt. Aktuell scheint die Gaga-Morphose zwar abgeschlossen, aber noch lange nicht perfektioniert. Die, die sie lieben, sind gespannt. Und die, die sie weniger lieben, noch viel mehr.

Bis hierher und noch viel weiter.

J. K.

Geschrieben von kulturmultimedial

März 12, 2011 um 9:10 vormittags

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Ein Balkon in luftiger Höhe

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Ein Balkon in luftiger Höhe

Ein Beitrag von Johanna Weißgerber.

Ein Konzert im Freien ist nichts neues, aber auf einem Balkon?
Das gibt es mittlerweile in elf Ländern auf der ganzen Welt.
Das Erfolgskonzept von Balcony TV.

Gegründet wird Balcony TV von drei Freunden aus Dublin. Der Filmemacher Stephen O’Regan und die Musiker Tom Millett und Pauline Freeman suchen nach einer Möglichkeit, den Balkon ihrer WG sinnvoll zu nutzen. Kurzerhand laden sie Künstler zu sich ein und rufen eine Internetfernsehshow ins Leben, die sie trefflich Balcony TV taufen.

Das Konzept ist denkbar einfach und doch erfolgsversprechend; im Regelfall präsentiert ein Musiker oder eine Band einen Song auf dem Balkon. An anderen Tagen treten Entertainer aller Art oder die Gründer selbst mit improvisierten Einlagen auf. Der Auftritt wird mit einfachsten Mitteln gefilmt und auf die Internetplattformen Balcony TV und Youtube gestellt.
Von unbekannten Undergroundbands bis zu Chartstürmern, alles trifft sich auf dem Balkon.
Die Künstler bekommen so eine Werbeplattform geboten, für ein weltweites Publikum ist ihr Live-Auftritt zu sehen.

Es fragt sich ob dieses Konzept Erfolg haben kann. Reichen die unprofessionellen Aufnahmen aus um ein großes Publikum zu erreichen?

Der erste Künstlerauftritt am 08.06.06 zeigt, dass mit einfachsten Mitteln gearbeitet wird. Zunächst bietet das Video keine Anmoderation, die Internetfernsehshow besitzt noch kein Logo oder Intro. Der Zuschauer sieht lediglich den Auftritt der Künstler.

Doch die drei Erfinder des Formats schaffen es täglich ein Video zu präsentieren auch wenn sie wegen eines abgesagten Auftritts vor laufender Kamera Tee kochen
Sie erregen damit Aufsehen. Bereits im Jahre 2007 werden sie mit dem Best Music Website Award bei den Irish Digital Media Awards ausgezeichnet.

Im September des gleichen Jahres folgt der erste Ableger in Deutschland. Die Moderatorin Johanna Leuschen lernt das Format in Dublin kennen und moderiert und produziert es noch heute zusammen mit Lars Kaufmann in Hamburg.

Und der Balkon in Hamburg soll nicht Dublins einziger Nachfolger bleiben. Zwischen 2008 und 2011 folgen 14 weitere Ableger auf der ganzen Welt. Neben weiteren Balkons in Europa, schafft es das Konzept 2010 auch in die USA und nach Kanada. Dieses Jahr folgen Australien und Mexico und sie werden damit sicherlich nicht die letzten gewesen sein.

Nach vielen Änderungen wird im Juni 2009 das noch heute verwendete Intro eingeführt. Das schwarz-gelbe Logo mit der zugehörigen Intromusik ist das Aushängeschild für Balcony TV. Es wird momentan von allen Balcony TV Ablegern auf der Welt genutzt und garantiert echten Wiedererkennungswert.
Balcony TV präsentiert sich mittlerweile in fünf Sprachen, bei gleichem Aufbau. Nach dem Intro folgt eine kurze einleitende Anmoderation und nach dem Künstlerauftritt eine kurze Abmoderation, die dem Zuschauer die wichtigsten Daten zum Künstler und anstehenden Auftritten mitteilt. So geht der Widererkennungswert nicht verloren.

Längst nicht alle Stationen schaffen es jeden Tag einen Auftritt zu präsentieren und auch andere Aspekte unterscheiden die Balkons voneinander.
Das polnische Balcony TV in Poznan präsentiert Auftritte von Balkons und Plätzen in der ganzen Stadt und ändert dadurch das allgemeine Konzept leicht ab.
Paris kann mit einem sehr großen schön gestalteten Balkon aufwerten, während Künstler sich in anderen Städten auf den kleinen Balkons drängen müssen. Balcony TV wird dort außerdem auf französisch moderiert.

Auch für Werbepartner wird Balcony TV zunehmends interessanter. Mit einer Zielgruppe von 18-45 Jährigen und einer weltweiten Webpräsenz bieten sie nicht nur für Musiker die perfekte Werbeplattform. Werbende Firmen können zahlungskräftige Musikinteressierte auf sich aufmerksam machen.

Balcony TV bietet aktuelle Musik, live und unplugged, ohne aufwändige Schnittfolgen und technische Nachbearbeitung. Viele Künstler verbinden ihre Tour mit einem Besuch auf einem der Balkons, viele kommen mehrere Male. Newcomer bekommen eine tolle Bühne geboten und auch Weltstars lassen sich immer öfter auf den Balkons begrüßen.
Außerdem ziehen auch die Zuschauer Profit. Einzigartige Künstler, die nicht täglich in Fernsehen oder Radio vertreten sind, können und wollen auf den Balkons entdeckt werden.

Weitere Informationen und über 2.000 Videos findet man auf www.balconytv.com.

Balcony TV – Music with a View, nicht ohne Grund auf Erfolgskurs.

Geschrieben von kulturmultimedial

März 10, 2011 um 2:34 nachmittags

Vom Bierzelt in den Konzertsaal- die Blasmusik im Wandel

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Vom Bierzelt in den Konzertsaal – die Blasmusik im Wandel

Die meisten Leute denken bei dem Wort „Blasmusik“  zunächst an dicke Backen und alte Männer mit Rasierpinsel-Hut, an Weißwurst, Bier und Lederhosen. Dass diese alten Vorurteile mit der heutigen sinfonischen Blasmusik rein ganz nichts mehr gemein haben, wissen die Wenigsten.

Der sinfonische Bläserklang, wie er beispielsweise bei einem Konzert der Mannheimer Bläserphilharmonie zu hören ist, überzeugt den Zuhörer vom Gegenteil aller Vorurteile und verweist das „Bierzelt-Image“ in seine Schranken. Nur noch wenig erinnert an die einstigen Anfänge des Musikgenres, dessen Wurzeln in kleinen Dorfkapellen im Süden Deutschlands liegen. Hier diente die Musik bei religiösen Feiertagen der Unterhaltung der Gesellschaft.

Zwar ist es richtig, dass die Blasmusik ein wichtiges unterhaltendes Element auf Festen im Bierzelt und bei religiösen Feiertagen darstellt und rechtfertigt die mit ihr verbundenen Assoziationen damit auf eine gewisse Art. Dennoch hat die Blasmusik einen enormen Wandel durchschritten und füllt inzwischen selbst die großen Konzertsäle der Welt.Wo liegen die Ursprünge dieses Genres und welche Entwicklung trug dazu bei, dass man Blasmusik nicht mehr als reine „Bierzelt-Musik“ ansehen kann?

Blasmusik ist eine überwiegend für Bläser komponierte Musik. Bereits in der Steinzeit spielte man auf Knochenflöten und auch „die Posaunen von Jericho“ oder „die Fanfaren von Rom“  können zu den Anfängen der Blasmusik gezählt werden. Ihren eigentlichen Ursprung findet sie Ende des 18. Jahrhunderts in der Militärmusik. Mitte des 19. Jahrhunderts entstehen die ersten Harmoniegemeinschaften, die teilweise noch bis heute bestehen. Diese Blaskultur entwickelte sich überwiegend in Preußen, Süddeutschland und Österreich.Einen hohen Stellenwert mit einer seit 250 Jahren bestehenden Tradition nimmt die Blasmusik vor allem in Süddeutschland ein. Hier hat fast jedes Dorf einen eigenen Musikverein, es bestehen sogar mehr Musik- als Fußballvereine.  Auch hier erfüllen sie anfangs nur den Zweck der Unterhaltung. Nur was zeichnet im Gegensatz dazu die zeitgenössische sinfonische Blasmusik aus? Woran ist der seriöse und akademische Anspruch des Musikgenres festzumachen? Weil nur Wenige eine Antwort auf diese Fragen kennen, verharren viele bei den alten Vorurteilen und verpassen somit ein einzigartiges Hörerlebnis.

Seit den Ursprüngen der Blasmusik hat sich diese immer weiterentwickelt. Die Märsche wurden anspruchsvoller, die Polka vielseitiger und auch der Fortschritt im Instrumentenbau schaffte neue klangliche Möglichkeiten, sodass sich bald immer mehr Komponisten der Blasmusik widmeten.Durch die Anpassung an zeitgenössische Gegebenheiten und gewagteren Kompositionen erreichte  dieses Genre eine immer größer werdende Popularität.

Die Entstehung konzertanter Werke, die speziell für Blasorchester komponiert wurden ebnete zusammen mit den neuen Arrangements von klassischen Werken den Weg hin zur Sinfonischen Blasmusik. Man hüllte alte Werke in neuen Klang – Umgeschrieben und in ein neues Gewand gesteckt erklingen sie dann im sinfonischen Zusammenspiel der Bläser.  Was hätte wohl  Bedrich Smetana dazu gesagt, wenn er seine Moldau von einem Blasorchester gehört hätte? Wäre Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Nussknacker am Ende des 19. Jahrhunderts in einer reinen Bläserbesetzung auf Wohlgefallen gestoßen? Wir wissen es nicht. Denn gerade in der Mitte des 20. Jahrhunderts machte die sinfonische Blasmusik riesige Fortschritte. Es entstehen Klassifikationen der Werke in Unter-, Mittel-, Ober- und Konzert-Stufe, Jugendmusikschulen und Wettbewerbe werden ins Leben gerufen. Klein angefangen von einem Musikfest mit Wertungsspielen der umliegenden Kapellen über regionale und nationale Wettbewerbe bis hin zur Elite der Amateurorchester: Dem World Music Contest (WMC) in Kerkrade, Niederlande. Bei den Wertungsspielen in unterschiedlichen Divisionen stellen sich Amateurorchester aus der ganzen Welt beim WMC einer hochkarätigen Jury, die von den Hobby-Musikern höchstes Niveau erwartet. Vier Wochen lang steht die kleine Stadt nahe der deutschen Grenze im Zeichen der Blasmusik. Unzählige freiwillige Helfer tragen alle vier Jahre dazu bei, dass ihre Stadt den Mittelpunkt des weltweiten Interesses der Blasmusikszene bildet.

Die Mannheimer Bläserphilharmonie bei ihrem Wertungsspiel beim WMC 2009 in Kerkrade.

Allerdings zeigen die Orchester nicht nur bei Wettbewerben ihr Potential. Für jedes gibt es noch ein weiteres Ziel: ein großes Jahreskonzert mit Originalkompositionen der zeitgenössischen Blasmusik und Arrangements großer klassischer Werke. Solche Konzerte sind immer wieder ein Erlebnis: Die Verspieltheit der einzelnen Register, die Klangqualität und Prägnanz des Tuttis, sowie die erstaunliche Abwechslung der facettenreichen Klangfarben von hell bis dunkel, von leicht-tänzerischen Melodien der hohen Holzbläser bis hin zu schwer-tragenden Rhythmen des tiefen Blechs. Jene musikalische Bereicherung haben wir großartigen Komponisten zu verdanken, die das  Ziel  durch reine Bläserbesetzung ein großes Klangerlebnis zu erreichen mit Bravour verfolgen. Rolf Rudin zum Beispiel. Jedes seiner Werke hat einen eigenen Charakter, ein jedes einzigartig in seiner Komposition. Auch Philipp Sparke sowie Johan de Meij sind zwei bekannte Vertreter dieses Genres und lassen durch ihre Musik die Herzen der Liebhaber höher schlagen.

Aber ist nun der Unterschied zwischen dem angesehen und als seriös geltenden Sinfonieorchester und einem Sinfonischen Blasorchester so groß?  Schauen wir uns hierzu das Wort „Sinfonische Blasmusik“ genauer an. Sinfonisch bedeutet ‚zusammenklingend‘ und ‚harmonisch‘. Wie man es von einem großartigen Sinfonieorchester gewohnt ist.  Allein die Besetzung, die eher auf Bläser spezialisiert ist, macht dann den rein klanglichen Unterschied. Auch schon in der frühen Blasmusik wurde Wert auf den Zusammenklang gelegt, jedoch wurde dieser in der weiteren Entwicklung durch neue instrumentelle Möglichkeiten immer nuancenreicher und Komponisten schufen klanglich neuartige Werke. Durch diesen Wandel steht die sinfonische Blasmusik in Deutschland heute genau da, wo sie hingehört: Auf einer Ebene mit Musikgenres wie Klassik, Jazz, Blues und Swing.  Die positive Resonanz der Hörer spiegelt sich in den gefüllten Konzertsälen der Bundesrepublik wider. Dennoch: es bleiben oft auch Plätze leer, weil nur wenige von einem Konzert mit reiner Bläserbesetzung ein klanglich einzigartiges Erlebnis erwarten.

Somit kann man grob festhalten, dass der minimale Unterschied zwischen dem von der Allgemeinheit hoch angesehen Sinfonieorchester und dem eher als „uff-ta-ta“ verrufenen sinfonischen Blasorchester allein klanglicher und besetzungstechnischer Natur ist. Eine Degradierung auf Kosten des sinfonischen Blasorchesters ist ein Trugschluss.

Ein Beitrag von Eva Elena Mayer.

Geschrieben von kulturmultimedial

März 10, 2011 um 2:28 nachmittags

Veröffentlicht in Geschriebenes, Kulturmultimedial

Back Down South

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Back Down South

5 Alben, 5 Akte: Ein Klassisches Drama und ein Konzertbesuch bei den KINGS OF LEON am 9. Dezember 2010 in Frankfurt.

Kings Of Leon steht vor dem Gericht. Der Band wird vorgeworfen, dass sie sich von einer unabhängigen, individuellen Rockband zu einer kommerziell verkäuflichen Stadionband entwickelt habe. Nach jetzt gut 10 Jahren Bandgeschichte und nach der Veröffentlichung ihres fünften Albums vergangenen Jahres gilt es, dies zu überprüfen.

Die Brüder Caleb (Guitar, Vocals), Nathan (Drums), Jared (Bass) und ihr Cousin Matthew Followill (Guitar) bringen im Jahr 2003 das Exposé ihres klassischen Dramas heraus. „Youth & Young Manhood“ ist ein perfekter Titel für ein Debüt-Album. Konsequent, schlagfertig und selbstbewusst wird der jugendliche Garagenrock in elf Titeln durchgezogen. „And I said nah nah hey hey… Fuck You… You drank all my whiskey, you stole all my smoke“. Thematisch geht es um wilde Partynächte, schöne Mädchen und eben das, was man von Südstaatenrockern unreifen Alters erwartet. Liebhaber des Genre werden schon hier auf die Band aufmerksam und sind sich bewusst, dass schon die Einleitung hervorragende Klassiker enthält. „You want it. She´s got it. Molly’s Chambers gonna change your mind.” Der Track gehört nach wie vor zum Pflichtprogramm jedes Konzerts. Überzeugend machen die Kings of Leon im Bonustrack der Platte klar, wir bleiben nicht hängen im Gründungsort Nashville, Tennesse. Wir wollen raus aus dem Süden, die Welt erobern und eine ganz große Nummer werden. „But everybody says this town is beautiful and you’d be so crazy to say goodbye. But everything’s the same this town is pitiful and I’ll be getting’ out as soon as I can fly.”

Die Situation verschärft sich in der steigenden Handlung. 2. Akt: „Aha. Shake. Heartbreak.“ (2005). Der schnelle Southern Rock wird auch hier vom ersten bis zum letzten Ton professionell durchgezogen. Eine klare Linie mit den typisch werdenden dominanten Basslinien und sauberen Melodien, eines der besten Alben, die je veröffentlicht wurden. Durch den hohen Wiedererkennungswert wird schnell klar, hier hat man es mit Kings of Leon zu tun. Die markant heisere Stimme Calebs und der unverwechselbare Garagensound des Frühwerks tauchen wieder auf. Zu viel versprochen wurde also nicht. „On a plane off to see the city girls again…“ Textlich und thematisch ähnlich zum Vorgängeralbum, aber schon etwas erfahrener feiert man jetzt arrogant das Rockstarimage. „She´s opened up, just like she really knows me, I hate her face, but enjoy the company.” Was macht das Album so gut? Ganz einfach -“Milk” - unscheinbar als Nummer fünf des Albums irgendwo in der Mitte. Mit diesem Knaller wird Individualität bewiesen, unmöglich kann der in irgendeiner Genreschublade gemütlich Platz nehmen. In diesem Sinne, nach so einem Debütnachleger, Kings of Leon, bitte: „Stay for me.“

„If you’d call me now baby I’d come a running. I’m on call to be there.” Danke, Kings Of Leon sind da, jetzt ganz oben: “Because Of The Times” (2007). Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt und spätestens jetzt beschränkt sich der Hörerkreis nicht mehr nur auf eine kleine Gruppe, die mit dieser Band etwas anzufangen weiß. „It’s my role. It’s my show.“ Hier stimmt einfach alles, der eigenständige Kings Of Leon-Sound wird auf dieser Platte definiert und zu einem ganz eigenen Begriff. Auch Calebs Stimme scheint sich gesteigert zu haben und oben angekommen zu sein. Verrucht und heiser wird nicht nur ins Mikro geschrammelt, jetzt kommt noch ein bisschen mehr Pathos dazu. Ja, zugegeben, es wird auch sehr viel melodiöser und reifer, aber ganz ist das südliche Garagenimage auf der Platte noch nicht abgelegt. „What I’ve got. Well she wants…“ Das stimmt! Dieses Album kann man und sollte man wirklich lieben lernen. Lässt man sich hier auf die Kings ein, bleibt man auch dabei. Ein Höhepunktalbum, das für immer im Herzen bleibt und am besten immer auf Tour sein sollte. „That taste all I ever needed … All I ever wanted…“. 3. Akt: “Knocked Up…”.

Es ist die logische Konsequenz des klassischen Dramas. Die Handlung fällt und verlangsamt sich, eine Phase in der mit höchster Spannung auf die bevorstehende Katastrophe hingearbeitet wird. 3 Jahre später erscheint „Only By the Night“ (2008). Wovon die Band auf ihren früheren Alben eher geträumt hat, wird zur Realität. Welterfolg, Radiohits und Stadiontour. Spätestens auf dieser Platte befinden sich kommerzielle Charthits, die locker, rockig leicht in jedem Autoradio eine gute Figur abgeben. „Youuu.. your sex is on fire…“ Schade, Kings Of Leon, und schon wird man von der breiten Masse mit so einem Song identifiziert. Auch „Use somebody“ ist für viele Hörer angenehm und lässt auch einen Ohrwurmcharakter nun wirklich nicht mehr abstreiten. „I’ve been roaming around, always looking down and all I see..you know that I could use somebody, someone like you.” Ja? Wars das schon, Kings Of Leon? Ist das alles? Ja, das ist alles, was neue Fans der Band zu sagen haben, die sich nur diese beiden Tracks für ein paar Cents bei i-Tunes geladen haben, weil die irgendwie in die Top Ten gerutscht sind. Schlecht sind die ja nun wirklich nicht. Der echte Fan aber, der die ersten drei Akte auch gelesen hat, hört sich das ganze Album an. Track 1: „Closer“. Da findet man den unverbesserlichen Kings Of Leon Sound und von einer fallenden Handlung kann bei so einem Track nicht die Rede sein. Das neue Album wird genau da fortgesetzt, wo man zuvor so schön aufgehört hatte. Langsam und doch sicher schleicht sich das Thema Herzschmerz in die Songs ein: „She took my heart, I think she took my soul…” Aber, und das ist an dieser Stelle äußerst wichtig festzuhalten: Die können das! Melodiös, gefühlvoll und tiefgründig werden, ohne dabei kitschig und sentimental rüberzukommen. Das Album, zurück in Nashville produziert, trägt nach wie vor die Südstaaten Rockelemente in sich, die jedes Album prägen. Das man dabei erwachsener klingt als auf dem Debütalbum ist lediglich logisch und kann ihnen wirklich nicht vorgeworfen werden. Trotz der nun auch massenkompatiblen Songs, präsentieren Kings Of Leon ein Liebhaber-Set mit dem sich jeder richtige Fan mehr als zufrieden geben kann. Nach dem Welterfolg, den Erfahrungen des erreichten und voll ausgekosteten Rockstarlebens und großen Touren um die ganze Welt lässt sich dann im 4. Akt die Sehnsucht nach der Heimat schon ein wenig raushören. „Got a notion to say what doesn’t feel right. I just wanted to know if i could go home.” Wird im letzten Song der Platte schon auf die bevorstehende Katastrophe hingewiesen? Das retardierende Moment: „Hand over your heart, let’s go home.”

5. Album – 5. Akt – die Katastrophe: “Come Around Sundown” (2010). “This could be the end. Cos I ain’t got a home. I’ll forever roam.” Der erste Songtitel “The End”, klingt dramatisch, viel zu offensichtlich und doch… wer die Band verstanden hat, hört nach den ersten zwei Takten: Ja! Das sind die Kings Of Leon, hier bin ich wieder zu Hause. Im Grunde genommen erfüllen sie genau das, was man von einer guten, konsequenten Band erwartet: Auf jedem Album etwas Neues, aber doch mit dem eigenen individuellen Sound, der einen über die Jahre hinweg begleitet hat und der sie zu dem macht, was sie sind. Klar, Kings Of Leon sind in ihren fünf Alben auf die Reise des Erfolgs gegangen, haben darüber berichtet und gesungen und jetzt ergreift sie das Heimweh. Ist das negativ zu bewerten? Eigentlich wird der anfangs beschriebene Vorwurf doch hier zunichte gemacht. Nach dem Ausflug in die weite Welt, ausverkauften Stadien und intensiver Charterfahrung kehren die Kings Of Leon in die Garage zurück. Soundmäßig lässt sich auf dieser Platte die Sehnsucht nach der Heimat textlich und musikalisch mehr denn je heraushören. „If you give up New York. I’ll give you Tennesse – The only place to be.” Bitteschön, erstklassiger Southern Bluesrock! Tatsächlich erkennt vielleicht schon wieder nur der wahre Fan das Potential der Platte, und der Einzige, der Vorwürfe macht ist der naive “Sex on fire – Kings Of Leon- Radiofan“, der einfach gar nichts verstanden hat. Nein, das Album ist definitiv keine Katastrophe, es ist vielmehr der letzte Akt in dem alle Konflikte gelöst werden. Beim Hören tatsächlich so schön, als würde man „nach Hause kommen“.

„Come on out and dance if you get the chance…“

Anfang Dezember gaben die Kings Of Leon drei Konzerte in Deutschland. Inzwischen handelte es sich bei dieser Band längst nicht mehr um einen Geheimtipp. Ausverkaufte Hallen und alles andere als bescheidene Ticketpreise. Für das Konzert am 9. Dezember 2010 musste man für die Frankfurter Festhalle im Schnitt gute 70 Euro ausgeben. Ausverkauft. Beim Einlass in die Halle wunderte man sich tatsächlich zunächst über das Publikum, das gegen alle Erwartungen im Schnitt zwischen 25 und 35 – wenn nicht sogar älter war. Es mag an den hohen Ticketpreisen liegen, aber vielleicht auch am Frankfurter Publikum. Zwischendrin sehr vereinzelt dann die klischeehaften Kings Of Leon Fans, im Karohemd und Wollmütze, mit Sicherheit bestens vorbereitet auf das, was sie erwarten würde.

Es geht los: „Radioactive“ . Ha! Wenn eine Band ihren gegenwärtigen Radiohit als lockeren Warm-Up des Konzerts verballert, ist das ein Statement: Heute Abend geht noch was, wir können mehr.. „when we see the band, baby’s gonna be a big one…” Der wahre Fan weiß, heute gibt’s auch Klassiker und nicht nur eine Wiedergabeliste des neuen Albums. Der Radiofan wundert sich und denkt „Radioactive“ hätte doch eher Zugaben-Potential. Es folgt eine vielleicht tatsächlich etwas trockene, sauber gespielte Show, jedoch mit allen Klassikern, die sich das Fan-Herz wünscht… Ja, „Molly’s Chambers“ & Co. sind alle dabei. Auf der Bühne die vier Kings relativ unauffällig, eben ohne unnötigem Bohei. Lichtshow und übertriebenes Rumgezappel, überflüssig! Trotzdem scheppern gewaltige Gitarrensounds durch die Festhalle. Die Band hat ihre Aufgabe also erfüllt, doch zu einem guten und erfolgreichen Rockkonzert gehört auch das passende Publikum. Ist ein bisschen Mitklatschen, Haare schütteln, Mitsingen, Mittanzen und Schwitzen uncool geworden? Schade, wirklich schade! Man stelle sich die Situation einmal vor: Auf der Bühne steht Caleb Followill, der Frontman, der gutaussehende Star, der ins Mikro eines der besten Tracks singt „Cowgirl King of the rodeo, let the good times roll..“ Ein super Stimmungsmacher, der definitiv zum Mitwippen einlädt und da stehen nun junge Mädchen mit verschränkten Armen in einer Reihe und verziehen keine Miene, völlig regungslos. Ich behaupte: Das hätte es früher nicht gegeben! Der Anklage, die Gruppe Kings Of Leon habe sich zu einer stadiontauglichen Band entwickelt, wird stattgegeben. Die Fans allerdings sind alles andere als stadiontauglich. Somit verurteile Ich alle „Kings Of Leon – Radiofans“, dass sie es nicht verdient haben, so ein tolles Konzert zu sehen. Im Zeitalter der zahlreichen Live-DVD’s in toller HD-Qualität und weiß der Teufel was, zieht euch doch die Joggingshose über und macht‘s euch auf der Couch bequem. Ist es schon altmodisch zu denken auf einem Rockkonzert sollte getanzt und geschwitzt werden? Nur vereinzelt konnte man Leute in der Masse wahrnehmen, in deren Gesichtern zu erkennen war, dass sie alle fünf Akte gelesen und verstanden haben. Bei den ersten Tönen von „Closer“ kamen ihnen vor Begeisterung die Tränen in die Augen. Der „Radiofan“ weiß mit ihnen nichts anzufangen und hält sie für eine gute Gelegenheit mal „Pinkeln zu gehen“. Das Frankfurter Spießerpublikum brauchte schon mindestens 15 Tracks, um mal ein bisschen warm und locker zu werden, um dann zumindest bei der Zugabe „Sex On Fire“ (Wer hätte es gedacht!) mal ein bisschen mit dem Standbein dezent zu wippen.

Für mich haben die Kings Of Leon an diesem Abend alles bewiesen. Sie können berechtigterweise große Hallen füllen, ohne eine Stadionband zu sein, die dem Publikum nur lieblos die Radiohits runterspielt. In ihrer nun langjährigen Karriere haben sie, was für die heutige Zeit leider sehr untypisch geworden ist, fünf großartige und zeitlose Alben herausgebracht. Live überzeugen sie mit ihrer Musik, ganz ohne übertriebene Show, so wie sich das für eine gute Rockband gehört. Mit Talenten im Gesang und an den Instrumenten können sie ein Fanherz wie meines an diesem Dezemberabend allein schon mit einer fantastischen Version von „Knocked Up“ glücklich machen. Klar, neben dem „Radiofan“ erfülle dadurch auch Ich jedes Klischee. Bei früheren Rockkonzerten haben aber wenigstens alle Mädchen mitgemacht.

Kings of Leon kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Im neuen Song „Back Down South“ heißt es: „Babe I’m kicking off now. If you want to go, I’m gonna go – I’m going back down south now.”

Das komplette Drama gelesen , verstanden und mitgefühlt, lautet meine Antwort an die Kings: „I don’t care where you are going. I’m coming along with you.“

Caleb Followill am 09.12.10 in der Frankfurter Festhalle

Ein Beitrag von Annabelle Zimmermann.

Geschrieben von kulturmultimedial

März 10, 2011 um 2:21 nachmittags

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Ein Alleskönner im Alleingang

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Ein Alleskönner im Alleingang

Bodo Wartkes innovative Theaterinszenierung „König Ödipus“ ist jetzt als vollständige „Ödition“ erhältlich. Inklusive dem Buch mit dem Stücktext, der Doppel-DVD und einem Programmheft. Ein Highlight für alle Wartke- und Ödipus – Fans.

Die Geschichte des König Ödipus. Ein Neugeborenes soll getötet werden, weil das Orakel voraussagte, dass dieser Junge später einmal seinen Vater umbringen und seine eigene Mutter heiraten wird. Doch wie es so oft der Fall ist, läuft nicht alles nach Plan. Der Hirte, der mit der Tötung beauftragt ist, bringt es nicht übers Herz, der Junge wächst auf, tötet unwissentlich seinen Vater, löst das Rätsel der Sphinx und bekommt als Belohnung die Königin von Theben zur Frau, die – wer hätte es gedacht – seine Mutter ist. Als er all das herausfindet, nimmt sich Ödipus das Augenlicht und verlässt die Stadt.

Jetzt werden Sie bestimmt sagen „Ach ja, das kenne ich schon, diese altbekannte und vorhersehbare Geschichte von König Ödipus verpackt in die komplizierten und ermüdenden Verse von Sophokles.

Aber Halt! Schreiben Sie diese Geschichte nicht ab, denn der Musiker und Kabarettist Bodo Wartke hat dieses Drama aufgegriffen, es ordentlich aufgepeppt und so inszeniert, dass es den Ansprüchen des Theaterpublikums von heute genügt. Und mit diesem Publikum meine ich nicht die stocksteifen Damen und Herren, die den ganzen Abend bewegungslos im Zuschauerraum sitzen, die hochgestochenen Verse des Stücks auswendig kennen und sich danach im Foyer darüber streiten, wie sich einzelne Szenen interpretieren ließen und ob der Regisseur nicht zu weit vom Original abgewichen sei. Nein, ich meine ein Publikum, das ins Theater geht, um mehrere Stunden lang exzellent unterhalten zu werden und das offen ist für Innovationen und kreative Ideen. Denn Bodo Wartke schafft etwas, das jedem erst einmal unmöglich erscheinen mag: er spielt in seinem Theaterstück alle vierzehn Rollen selbst. Nur ein großer Verwandlungs- und Imitationskünstler kann so etwas vollbringen, und Bodo Wartke ist ein solcher. Mit nur neun Requisiten verkörpert er allein durch Veränderung seiner Mimik, Körperhaltung und seinem Sprachstil alle Figuren der Sophokles’schen Erzählung und schafft es auch in Dialogszenen die Charaktere klar voneinander abzutrennen und den Zuschauer nicht zu verwirren.

Bodo Wartke verausgabt sich auf der Bühne völlig. Er springt von links nach rechts, um einen hitzigen Dialog zwischen zwei Charakteren darzustellen, läuft schreiend vor der von einer Handpuppe verkörperten Sphinx davon und entwickelt eine außergewöhnliche Körpersprache. Das alles wird immer wieder unterbrochen von kurzen Musikeinlagen des (Haupt)Darstellers. Dass Bodo Wartke durchaus als Klaviervirtuose bezeichnet werden kann, wissen diejenigen schon, die seine Lieder kennen oder ihn schon einmal live auf der Bühne erlebt haben. In „König Ödipus“ entfaltet er nun aber sein ganzes musikalisches Können: er singt, spielt Klavier sowie Mundharmonika und liefert die Percussion für seine gelegentlichen Rap-Einlagen. Dabei vergisst er auch nicht, sein Publikum mit einzubeziehen. Langweilig werden kann es mit Bodo Wartke wirklich nicht.

Aber warum alle vierzehn Rollen selbst verkörpern? Ist das ein Ego-Trip des sonst so bodenständig erscheinenden Herrn Wartke? Traut er anderen Schauspielern seine Rollen nicht zu? Die Erklärung gibt Bodo Wartke am Ende seines Bühnenprogramms selbst. Er habe in der Schule die Idee gehabt, ein Theaterstück umzuschreiben, aber bei der Erwähnung des Namens Sophokles seien alle seine Freunde wieder abgesprungen. Und so war er wohl oder übel auf sich allein gestellt, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Gott sei Dank, möchte man fast meinen, denn gerade die Tatsache dieser One-Man-Show macht die Aufführung zu etwas ganz Besonderem.

Wer auch nach den knapp zwei Stunden Programm noch nicht genug hat von diesem charismatischen Kabarettisten und wer sich „König Ödipus“ immer und immer wieder anschauen könnte, der sollte sich die DVD-Edition des Theaterstücks zulegen. Die sogenannte „Ödition“ ist inzwischen komplett und beinhaltet neben der Theateraufzeichnung auf einer Doppel-DVD auch das Buch mit dem Stücktext und einem ausführlichen Programmheft.

Und wer sich unsterblich in die Sphinx verliebt hat, der kann im Onlineshop auf Bodo Wartkes Homepage www.bodowartke.de auch die Löwenhandpuppe, die er im Theaterstück benutzt hat, erwerben.

Ein Artikel von Lisa Scholz.

Geschrieben von kulturmultimedial

März 9, 2011 um 2:53 nachmittags

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Hedwig and the angry inch

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Hedwig and the angry inch

Ein Beitrag von Lilli Christoph-Homberg


Artikel:

Vor dem Neuen Theater Höchst steht eine Menschentraube, wie man sie sich gemischter und bunter garnicht vorstellen könnte. Vom älteren Stammpublikum über kreativ und alternativ Gekleidete, Transsexuelle, bis hin zu mit Federboas behängten jungen Mädchen und sogar Kindern.

Vom Plakat an der Wand blickt uns eine Dragqueen mit blonder Perücke und im bunten 70er Jahre Outfit provozierend an.

Der Grund, der all diese Menschen hier zusammenführt, ist das Off- Broadway Musical Hedwig and the angry inch.

Erzählt wird die dramatische Lebensgeschichte eines in Ost-Berlin geborenen Jungen, der sich aus Liebe zu einem amerikanischen GI einer Geschlechtsoperation unterzieht, um mit ihm nach Amerika auswandern zu können. Diese misslingt jedoch und übrig bleibt ein „angry inch“, der dem Rockmusical seinen Namen verlieh. In Amerika findet sich die schließlich verlassene Frau dann mittellos in einem Trailerpark lebend wieder. Als Hedwig erfindet sie sich neu und macht sich erneut auf die Suche nach ihrer anderen Hälfte und dem Glück.

Zunächst hat man den Eindruck, es würde sich um eine einfache Transvestitenshow handeln. Das Stück beginnt mit dem pompösen Auftritt Hedwigs, rockigen Songs und schmutzigen Witzen. Doch schon bald fällt die Fassade ebenso wie die Berliner Mauer und übrig bleibt eine verletzte zurückgeworfene Person, die ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden hat. Sie hat Probleme wie jeder andere Mensch auch, sie sucht nach Liebe, Verständnis und dem Gefühl, akzeptiert zu werden. Hedwig schildert ihr Leben in einem Monolog und durch ihre Musik, begleitet wird sie dabei von ihrer Band the angry inch.

Der Ursprung des Musicals liegt in New York Ende der 90er Jahre, wo es als Off-Broadway Stück große Erfolge feierte. Geschrieben wurde das Musical von John Cameron Mitchell und die Musik stammt von Steven Trask. Mitchell spielte auch die Hauptrolle im gleichnamigen Film, der 2001 gedreht wurde und viele Preise erhielt.

2008 führte Nigel Francis, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller erstmals seine Produktion des Musicals in Frankfurt auf. Ohne verfügbare Gelder baute er es mit vielen gewonnenen Fans, die jeder ihren Teil dazu beitrugen, immer weiter auf und scheint nun, nachdem Cornelia Christoph ihn zum Neuen Theater Höchst brachte, einen wirklichen Durchbruch zu feiern. Nach der Show jubelt das Publikum unter Standing Ovations und will garnicht mehr aufhören zu klatschen. Nach zwei Zugaben verlassen die Zuschauer dann zufrieden und glückselig lächelnd den Saal, verzaubert durch Hedwig, die man durch ihren Charme, Witz, und ihre Menschlichkeit einfach lieben muss.

Später treffen sich Zuschauer und Darsteller im Foyer, tauschen sich aus und freuen sich in familiärer Atmosphäre alle miteinander über den gelungenen Abend. Durch Hedwig zeigt sich: Viele unterschiedliche Menschen können zusammen sein, sich miteinander freuen und jeder findet dort seinen Platz und kann er selbst sein.

 

Interviews:

 

Nigel Francis – Hauptdarsteller, Produzent, Regisseur

Wie kamst du auf die Idee, Hedwig neu zu produzieren?

Ein Freund gab mir eine CD mit der Musik des Musicals. Wie es dann natürlich immer ist, hab ich sie erst Wochen später angehört, aber war dann sofort begeistert. Das war im Jahr 2006. Ich habe mir dann das Skript durchgelesen und fand es toll. Einige Zeit später, als ich meine Heimatstadt in der Nähe Londons besuchte, wurde es dort gerade von einer kleinen Theatergruppe aufgeführt, an dem Abend lief die letzte Show. So habe ich das Musical dann zum ersten Mal wirklich gesehen und war einfach nur begeistert.

Aber man kommt doch nicht einfach auf die Idee, ein Musical neu zu produzieren, wenn es einem gefällt?

2005 kam ich nach Deutschland. Da ich kein Deutsch sprach, war es schwierig, Theater- oder Musicalrollen zu finden, die ich in Frankfurt spielen konnte. Daher brachten mich die Umstände dazu, dass ich mir etwas Neues einfallen lassen musste. So kam ich dann auf die Idee meine eigene Produktion zu machen.

Hast du etwas vom Originalskript verändert?

Das Tolle an dem Skript ist, dass es dem Darsteller sehr viel Freiraum lässt. Es ist so vorgesehen, dass man den Charakter Hedwig an seinen eigenen in gewisser

Weise anpasst, um ihn überzeugender spielen zu können. Aber am Stück an sich habe ich nicht viel verändert. Ich habe ein Lied von den Rolling Stones hinzugefügt, welches Yitzak dann singt. “You can’t always get what you want”.

Was ist der Unterschied zu anderen Produktionen des Musicals?

Viele Produktionen stellen Hedwig als sehr glamourös dar, als den typischen “Glamour-Transvestiten”. Doch ich denke nicht, dass Hedwig als Charakter so gedacht war. Sie ist keine glamouröser Mensch, sondern sehr bodenständig und verletzlich.

Außerdem ist es das erste Mal, dass es in Deutschland in Originalsprache aufgeführt wird.

Was macht das Musical an sich für dich so besonders?

Es ist eine wirkliche Herausforderung. Einerseits für den Schauspieler, er hat ein 50-Seiten-Skript und 11 Songs, die er auswendig lernen muss, letztendlich steht er ganz alleine auf der Bühne und alles hängt von ihm ab. Natürlich ist die Band noch da, aber wenn man seinen Text vergisst, können die einem auch nicht mehr helfen (lacht).

Auf der anderen Seite ist es auch für den Zuschauer eine Herausforderung. Die meisten Musicals sind so vorhersehbar, man muss als Zuschauer nicht viel nachdenken. Doch bei Hedwig ist der Inhalt sehr komplex und auch dadurch, dass es eben nur einen Darsteller gibt, muss man sich viel mehr konzentrieren.

Was macht das Musical für den Zuschauer so besonders?

Ich denke, was dabei so interessant ist, ist dass die meisten Zuschauer, eigentlich alle, ohne jegliche Erwartungen kommen, um Hedwig zu sehen, vielleicht sogar eher skeptisch sind, da es sich um einen Transvestiten in der Hauptrolle handelt. Doch am Ende des Abends sind alle emotional berührt. Diese Unvorhersehbarkeit und der Überraschungseffekt machen das Musical so besonders und so anders.

Dazu kommt, dass jeder sich mit der Rolle der Hedwig identifizieren kann. Jeder der kommt, denkt, er habe nichts mit einem Transvestiten gemeinsam, doch dann stellt man fest, dass er genau dieselben Probleme hat, wie jeder andere Mensch auch. Jeder Mensch kennt die Probleme der Liebe, nicht gewollt zu werden oder das Gefühl nicht dazuzugehören.

Was fasziniert dich am meisten an Hedwig?

Ich denke Hedwig ist wirklich süß (lacht). Und sie entfaltet sich im Laufe des Stückes. Am Anfang ist sie sehr selbstbewusst und scheint ein glückliches Leben zu haben, ihren Traum zu leben. Doch im Laufe des Stückes enttarnt man diese Fassade schnell und sieht wie verletzt und verbittert sie eigentlich wirklich ist, was sie für ein hartes Leben hinter sich hat. Das ist sehr berührend.

Was ,macht den Unterschied zwischen kleineren und dafür persönlicheren Plätzen wie dem Nachtleben und richtigenTheatern wie dem Neuen Theater Höchst aus?

Beide haben ihre Vor- und Nachteile, aber Hedwig gehört ganz klar in ein richtiges Theater. So wie es jetzt ist, bin ich sehr glücklich. Es war eine tolle Atmosphäre letztes Mal. So ist es perfekt.

Gibt es einen Ort, einen Traum, wo du Hedwig aufführen möchtest?

London! Es ware mein größter Traum für Hedwig, das Musical in meiner Heimatstadt London aufzuführen. Ich denke, dass das Publikum dort Hedwig sehr mögen würde, es passt sehr gut dorthin.

Wie bist du zum Musical und zum Theater gekommen?

In diese Künstlerwelt bin ich schon reingeboren worden. Meine Eltern waren beide Sänger in London. Ich wollte nie etwas anderes werden als Schauspieler, es ist der tollste Beruf überhaupt. Ich bin dann auf eine Theaterschule gegangen. Seit ich 14 bin, spiele ich Theater.

 

Michael Scheuber – Musical Director

Was ist deine Aufgabe als Musical Director?

Meine Hauptaufgabe ist die Band zusammenzustellen. Am Anfang habe ich eine Art Partitur erstellt, da es Noten für jede Stimme so noch nicht gab. Heute sind meinen Aufgaben mehr die Organisation der Band, also für Ersatz zu sorgen wenn mal jemand fehlt, die Proben zu organisieren und so weiter.

Das ist dein erstes Musical. Bisher hast du nur in Bands gespielt, zuletzt bei „Venus on Mars“. Was ist der Unterschied, bei Hedwig zu spielen?

Der Hauptunterschied sind die Einsätze. Es folgt nicht Lied auf Lied wie bei einem normalen Konzert, sondern wir beginnen zum Beispiel bei einem bestimmten Wort. Und wir haben immer sehr lange Pausen zwischen den Songs. Daher ist eine enorme Konzentration während des gesamten Stücks nötig, um die Einsätze nicht zu verpassen.

Um was für eine Art Musik ist handelt es sich?

Ich würde die Musik als Glamrock bezeichnen, der in den 70ern hauptsächlich gespielt wurde.

Was gefällt dir an der Musik des Musical besonders?

Generell gefällt mir die ganze Musik, also alle Songs, sehr gut. Besonders bei dem Lied “Origin of Love” erkennt man  die Komplexität der Stücke, sie sind sehr durchdacht und es folgt nicht einfach Strophe auf Strophe wie bei den meisten Liedern heutzutage.

Und generell?

Am Musical generell gefällt mir, dass alles so locker und voller Spaß beginnt, mit der Zeit wird das Stück dann immer tief gehender und ernsthafter, und die Zuschauer immer berührter, das ist faszinierend von der Bühne aus zu beobachten. Anfangs lachen alle, in der  Mitte wechselt es dann immer zwischen Lachen und bedrückten Gesichtern und dann wird das Stück gegen Ende immer trauriger. Dennoch gehen alle Menschen letztendlich fröhlich und erfüllt aus dem Saal.

Es gibt auch viele musikalische Insider, wie Zitate bekannter Rocksongs, Erwähnungen von Rockgruppen und so weiter. Wahrscheinlich erkennt man sie nur, wenn man ein wirklicher Musikfan ist, und so um die 40 oder 50 Jahre alt ist.

Wo denkst Du ist Hedwig am Besten zu platzieren? In Theatern oder in eher kleineren persönlicheren Plätzen?

Für Hedwig bevorzuge ich auf jeden Fall Theater, einfach durch die notwendige Technik und das Licht. Das ist in Theatern gegeben und in kleineren Plätzen muss man viel mehr Vorarbeit leisten, um eine gute Show liefern zu können. Wie wir auch hatten die Produktionen in Amerika das Problem, dass Hedwig den Leuten entweder zu rockig, oder zu musical-mäßig war, es ließ sich keine wirkliche Zielgruppe finden. Doch Qualität setzt sich mit der Zeit immer durch (lacht).

Was wünschst Du dir für die Zukunft mit Hedwig?

Mein Ziel wäre es auf jeden Fall, in einem englischsprachlichen Land zu spielen, da man doch merkt, wie viel besser das Verständnis ist.

 

Cornelia Christoph – Marketingmanagerin

Was ist das Ziel des Marketings für Hedwig, welchen Erfolg streben Sie an?

Unser Hauptziel ist die Verschiebung der Zielgruppe auf Theaterpublikum. Wir wollen uns nicht mehr über Subkultur definieren. Die Besucher des Musicals sind Teil des Bildungsbürgertums der gehobenen Mittelklasse. Es sollte sich um ein urbanes Publikum handeln. Die Zuschauer müssen natürlich Englisch verstehen können, da die Produktion in Originalsprache ist. Native speaker kommen als Zielgruppe auch in Frage und sollen angesprochen werden.

Ist dies mit dem Neuen Theater Höchst schon erreicht?

Ja, einen entscheidenden Fortschritt haben wir dadurch schon gemacht. Die Produktion ist für bis zu 300 Personen pro Auftritt gedacht, und in entsprechenden Häusern wollen wir das Musical auch präsentieren. Das Neue Theater Höchst passt durchaus sehr gut in dieses Schema.

Wie soll es langfristig mit Hedwig weitergehen?

Zunächst werden wir uns um die vollen Rechte in Europa bemühen.

Außerdem versuchen wir, Hedwig and the angry inch als Marke in Deutschland zu etablieren und zu einem Selbstgänger zu machen.

Wir wollen uns schließlich über ganz Europa verteilen und in Städten wie Amsterdam, Wien und letztlich London auftreten, wo die Theaterkultur natürlich besonders ausgeprägt ist.

 

 

 

 

 

 

 

Geschrieben von kulturmultimedial

März 8, 2011 um 9:46 nachmittags

Veröffentlicht in Geschriebenes, Kulturmultimedial

Guerilla Knitting stiehlt Graffiti die Show

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Guerilla Knitting stiehlt Graffiti die Show

Wollig weiche Schals, Socken, Stulpen, Handschuhe oder Mützen. Immer beliebter werden die warmen Strickprodukte Marke Eigenbau im Winter auch hierzulande. Anstatt etwas zu kaufen, nimmt man doch lieber selbst die Nadeln in die Hand und lässt Kreativität und Geschmack freien Lauf. Ob in der Bahn, der Uni, auf der Parkbank oder gemütlich zu Hause: Handarbeit wie Stricken und Häkeln ist längst nicht mehr nur ein Bild aus Omas Zeiten, sondern wieder brandaktuell.

Aus Nordamerika über den großen Teich geschwappt, gedeiht der Strickentrend nun auch in unseren Breiten zunehmend, und mit ihm die Strick Guerilla, auch als Yarnstorm (Garnsturm) oder Yarn Bombing bekannt. Als Streetart mit weiblicher Note werden die Strickereien mit voller Absicht zweckentfremdet und zur Verschönerung der Umwelt genutzt. Die weiche Wolle kleidet nun nicht mehr nur den Menschen, sondern kahle Laternenpfeiler, Straßenschilder, Fahrradständer, Beton, Bänke oder Bäume. Der Fantasie der StrickerInnen sind dabei keine Grenzen gesetzt. Eine Streetart die nicht nur aufsehenerregend ist, sie verbreitet sich auch wie ein Lauffeuer. Einmal gesehen, inspiriert ein solcher Eyecatcher scheinbar etliche neue StrickerInnen.

Ein Schildchen am Objekt der Aufmerksamkeit verrät fast immer die Namen der Strick Guerilla und der Künstlerin.

Ins Rollen brachte wohl Magda Sayeg in Austin, Texas diese knitted Streetart, als sie mit ein wenig verstrickter Wolle den Türgriff ihres Shops nach ihrem Geschmack verschönerte. Ungewöhnlich, doch es gefiel und fand bald Nachahmer. Auch Magda setzte gleich neue Ideen um, ihre Umwelt mit Strickereien zu verschönern und gründete 2005 Knitta Please. 2008 verwirklichte sie in Mexiko ein großes Projekt: Auf Anfrage des Guinness Book of World Records sollte ein ganzer Bus in die wollige Pracht gehüllt werden. Lauter bunte gestrickte und gehäkelte Einzelstücke kamen von Magda und Leuten die sich beteiligen wollten zusammen und wurden aneinander gefügt. Der Reiz läge darin, etwas ungewöhnlich Großes zu stricken, meinte Magda im Interview mit NYLON TV.

Mitglieder von Knitta Please verteilten ihre Kunst bereits auf vielen Teilen der Welt, so zum Beispiel auch auf der Chinesischen Mauer.

2009 wurde Knitta Please vom Montague Street Business Improvement District nach Brooklyn, New York eingeladen um dort zusammen mit 50 freiwilligen Strickern ein Public Art Project umzusetzen: Auf 69 Metern wurden die Parkuhren entlang der Straße eingestrickt. Die Strickereien kamen gut an und blieben etwa einen Monat bestehen.

Es überrascht kaum, dass das Guerilla Knitting überwiegend von Frauen dominiert ist. Die Damen von KnitherStory (knitherstory.com) machen sich dies zum Thema, und setzen es in Verbindung mit Emanzipation: Wenn sich in Wien am 19. März 2011 zum 100. Mal der Tag der Demonstration für Frauenrechte jährt, wollen die Ladys mit ihren Strickereien ein politisches Zeichen entlang der Ringstraße setzen, und den Weg, den die 20.000 Beteiligten damals zum ersten mal gingen, „sichtbar stricken“. 100 Frauen wurden gesucht und gefunden, um einen vorher zugeteilten Bereich mit „Guerilla Knitting Action“ zu versehen.

Im Gegensatz zum herkömmlichen Graffiti, lässt sich das knitted Graffiti ohne Rückstände und großen Aufwand wieder entfernen und beschädigt nicht seinen Träger, sondern soll nur verschönern. Doch da der Witterung und rauen Umwelt ausgesetzt, wird auch das hartnäckigste Stück Wolle schnell schmutzig oder von der Sonne ausgeblichen. Wenn es nicht vom brausenden Sturm weggetragen wird, fängt es nach längerer Feuchtigkeit an zu stinken oder verwittert. Seine Schönheit und Erfreulichkeit ist also nur von kurzer Dauer. Eine Kunst für den Moment. Was seinem Urheber bleibt ist lediglich die Freude an seiner Wirkung auf den Betrachter, und, wenn nicht verpasst, ein Foto gleich nach der Installation.

Nun liegt es vielen sicher nicht fern, die Zweckentfremdung des Graffiti-Style Strickens als Verschwendung anzusehen. Ist es doch Zeichen einer Gesellschaft des Überflusses, wenn wertvolles Material mit zusätzlichem Zeitaufwand ohne funktionalen Nutzen an gefühllose Gegenstände angebracht wird. Könnte es doch auch an Obdachlose gespendet werden, welchen es überlebenswichtige, warme Kleidung für die kalten Winter wäre.

Und auch so manche begeisterte Pulli-Stricker werden wohl mit wehmütigem Auge die weiche Kaschmir- oder Mohairwolle am Laternenpfahl sehen.

Doch gerade diese Ausblendung der Verwendbarkeit der textilen Arbeit, ist beim Guerilla Knitting zentral. Die herkömmliche Funktion wird umgedeutet, und so das Objekt zu Kunst, zu Streetart.

Schließlich, könnte man dagegen halten, sind auch die Materialien fast jeder anderen Kunst, wie beispielsweise Farben, mit höherem finanziellen Aufwand verbunden.

Anlässlich ihres neuen Buches Knit The City – Maschenhaft Seltsames brachten die „Knit The City-StrickerInnen“ ihren „Garnsturm“ am 05.03.2011 nach Berlin. Vom Brandenburger Tor durch die Stadt bis zur Signierstunde in der Walther König Buchhandlung an der Museumsinsel konnte man ihren Guerillastrick begleiten.

In England ist das Guerilla Knitting mittlerweile so weit verbreitet und aktuell, dass selbst die University of Bath in den Visual Arts Classes einen Ein-Tages-Workshop dazu anbietet. Der nächste Termin ist der 19.März.

Auch in Kanada sind Guerilla StrickerInnen unter dem Namen Yarn Bombing am Werk. Nach ihrem gemeinsamen, gleichnamigen Buch, organisierten die Autoren vor Kurzem ein Cherry Tree Projekt. Ein großer Baum vor dem historischen Haus der kanadischen Schriftstellerin Joy Kogawa im Süden von Vancouver, sollte mit rosa-roten, gehäkelten Blüten versehen werden, um schon im Winter den Frühling vorwegzunehmen. Voller Blütenpracht erfreut der Baum nun jeden Vorbeigehenden.

Aus dem französischen Guerilla Knitting Team Collective France Tricote (CFT) bringen seit einiger Zeit nun Ema Tricopathe (Emmanuelle Esther) und Oury Tricotueuse (Ouryanne Lelong) das Stricken auch in die Bars der Berliner Szeneviertel. Gemeinsam haben sie die StrickenBar Berlin ins Leben gerufen, welche in unregelmäßigen Abständen und in bisher immer unterschiedlichen Bars Berlins stattfindet. Ob Mädels oder Jungs, alle Strickbegeisterten Berliner, und jene die es werden wollen, sind eingeladen Nadeln, Wolle, Tips und Tricks auszutauschen und gemeinsam in chilliger Atmosphäre ihrem Hobby zu frönen. Dazu ein kleiner Drink und schnell lernt man bei der Gelegenheit nette Gleichgesinnte kennen. Die aktuellen Termine, Infos und Fotos lassen sich natürlich im Internet finden: c-f-t.net und bei facebook StrickenBar Berlin.

Also endlich auch bei uns in Deutschland angekommen, könnte man meinen der Stricktrend kenne keine Grenzen, und würde vor keinem Halt machen. An der Vielfältigkeit der Ideen und Dimensionen kann man sich kaum satt sehen, dank des Internets auch wenn man selbst nicht da war. Bleibt abzuwarten wie weit Nadeln und Wolle in die Welt hinaus ziehen, und welche Spuren sie uns noch hinterlassen…

Ein Beitrag von Lisa Behrendt.

Geschrieben von kulturmultimedial

März 8, 2011 um 9:08 nachmittags

Veröffentlicht in Geschriebenes, Kulturmultimedial

Rot versus Bunt

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Ein Blog von Gabriel Volksdorf.

 

www.rotversusbunt.blogspot.com

Geschrieben von kulturmultimedial

März 8, 2011 um 8:44 nachmittags

Veröffentlicht in Kulturmultimedial, Verlinktes

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